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SUMMER of ENGINEERING 2016

SUMMER of ENGINEERING 2016

DAS HIGHLIGHT DES JAHRES

DAS HIGHLIGHT DES JAHRES SUMMERof 2016 INDUSTRIE 4.0 SEIT 1947 01 Leitender Chefredakteur Dirk Schaar im Gespräch mit Lenze Technologie-Vorstand Frank Maier (links) Dirk Schaar Industrie 4.0. Seit 1947. – Mit diesem Claim trat der Spezialist für Motion Centric Automation Lenze auf der Hannover Messe 2016 an. Aber wie kann das sein, ist die vernetzte Produktion doch ein Kind unserer aktuellen Zeit? Ich habe mich auf den Weg nach Groß-Berkel gemacht und bin der Sache auf den Grund gegangen. Das Jahr 1947: Deutschland liegt noch in den Trümmern des 2. Weltkriegs und der aufkommende "Kalte Krieg" trennt zunehmend die bisher vereinte Kriegskoalition der Alliierten. George C. Marshall wird neuer Außenminister der USA und Prinzessin Elisabeth heiratet in London Prinz Philip. Und im beschaulichen Hameln übernimmt Hans Lenze die Handelsgesellschaft Stahlkontor GmbH Weser. Damit war der Grundstein für die heutige Lenze-Gruppe gelegt. Seitdem bestimmen Produktivität, Zuverlässigkeit und das Thema Einfachheit das Denken und Handeln jedes einzelnen Mitarbeiters. Aber war das auch der Grundstein für Industrie 4.0 und vor allem warum? Ich treffe Frank Maier am heutigen Firmensitz Groß-Berkel. Er ist im Vorstand von Lenze für Technologien verantwortlich und sollte es genau wissen: „Seit 1947 ist natürlich augenzwinkernd gemeint. Dennoch war 1947 im Kontext Industrie 4.0 ein bemerkenswertes Jahr. Zum einen wurde Lenze gegründet. Zum anderen wurde der Transistor erfunden.“ Der Transistor und später das Moore‘sche Gesetz führten zu einer Verdoppelung der Leistungs fähigkeit alle zwei Jahre. „Ich sage dazu immer, dass eine e-Funktion übermenschlich ist, denn der Mensch denkt linear. Das führt zu diesem Gefühl einer Revolution, damit müssen wir uns auseinandersetzen. In diesem Kontext ist Industrie 4.0 sicher kein alter Hut, sondern die Erneuerung der Suche nach Antworten zu unserer wichtigsten Fragestellung: Wie erhalten wir uns unsere Wettbewerbsfähigkeit?“ LENZE VON KOMPLEX ZU EINFACH Seit dem Gründungsjahr hat sich im Maschinenbau sehr viel getan. Um individualisierte Produkte zu Konditionen einer industriellen Großserienfertigung herzustellen, müssen Maschinen heute 24 SUMMER of ENGINEERING 2016

SUMMER OF ENGINEERING ZU GAST BEI LENZE 02 Mit diesem Claim ist Lenze zur Hannover Messe 2016 angetreten hochflexibel, intelligent und vernetzt sein, ohne zu komplex in der Handhabung zu werden. Maschinenbauer müssen ebenfalls ihre flexiblen Maschinen möglichst schnell auf den Markt bringen. Wie das geht, weiß Frank Maier: „Die übermenschliche Welt der exponentiell wachsenden technologischen Komplexität muss wieder menschlich werden. Dafür muss man sie so vereinfachen, dass sie für einen Menschen wieder handhabbar wird.“ Das gelingt Lenze durch die Zerlegung der komplexen Bewegungsabläufe der Maschine in ihre funktionalen Einheiten. Diese Markenmessage nennt man bei Lenze „Easy Engineering“. „Die größte Herausforderung unserer Kunden ist die enorme Komplexität der Maschinen und gleichzeitig der Fachkräftemangel“, stellt auch Dr. Thomas Cord, Geschäftsführer Lenze Automation, klar. Daher muss der Antriebsspezialist neben Motoren, Invertern und Getrieben auch komplette Automatisierungssysteme sowie Engineering-Dienstleistungen und -Tools aus einer Hand anbieten. Wie aber sieht die konkrete Antwort aus, die den Anwender aus dieser Komplexitätsfalle raus holen soll, möchte ich wissen. „Der Weg kann nur die konsequente Modularisierung der Maschinen sein, d. h. die Zerlegung der Maschinen in standardisierte und wiederverwertbare Funktionseinheiten. Das hat auch das Marktforschungsunternehmen Quest in einer Studie herausgestellt“, erklärt Dr. Thomas Cord. Demnach setzt bereits gut die Hälfte der Maschinenbauer auf modulare Konzepte. Und diese werden in den nächsten Jahren doppelt so stark wachsen wie monolithische. In der Mechanik ist der Markt schon sehr weit fortgeschritten, aber die Elektrotechnik im Schaltschrank und die Software hinken meist noch hinterher. „Lenze hat aber eine Lösung dafür, die Ihnen unser Technologiemanager Motion, Detlef Storck, gerne erklären wird.“ MEHR ZEIT FÜR BEGEISTERUNG „Im Zuge von Industrie 4.0 wird es immer wichtiger, die Bewegungen in immer flexibleren Maschinen so simpel wie nur möglich zu konzipieren", sagt Detlef Storck. Es muss also möglich sein, in wenigen Minuten z. B. eine mehrachsige Roboterapplikation einzurichten. „Das funktioniert tatsächlich – in dem Moment, in dem ein Roboter und seine Bewegungsabläufe in einen Maschinenprozess genauso einfach eingebunden sind, wie das Einschalten einer Glühlampe. Dass sich dahinter viel Mathematik und Mechanik verbirgt, muss der Anwender nicht wissen. Es geht letztlich darum, die Komplexität und Flexibilität, die ein programmierbares System hat, so zu verbergen, dass der eigentliche Auftrag mit wenigen Parametern ausgeführt ist.“ Und hier setzt die Lenze FAST Application Software Toolbox an. Dank standardisierter und modularisierter Software lassen sich vorgefertigte Bewegungsfunktionen ganz einfach in die Maschinensteuerung integrieren und wiederverwenden. Die FAST-Module können beliebig und leicht kombiniert und mit eigenen selbst erstellten Komponenten ergänzt werden. Die Basisaufgaben sind damit schnell erledigt und der Programmierer hat mehr Luft für die Entwicklung und den Test besonderer Maschinenfunktionen. „Da bleibt mehr Zeit für die Begeisterungsfaktoren der Maschine und Roboter können ganz einfach projektiert werden – ganz ohne Roboter-Know-how“, ist Detlef Storck überzeugt. KEIN SCHWEIZER MESSER Der neue Smart Motor ist ein solches Produkt, das sehr gut zur Engineering-Vereinfachung von Lenze passt. Er reduziert die Variantenvielfalt der Antriebe um bis zu 70%. Ohne Schütz und Starter, SUMMER of ENGINEERING 2016 25