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SUMMER of ENGINEERING 2016

SUMMER of ENGINEERING 2016

HANDWERK TRIFFT HIGHTECH

HANDWERK TRIFFT HIGHTECH DEUTSCHE MESSE / LIGNA SUMMER OF ENGINEERING ZU GAST BEI DER LIGNA Svenja Stenner Um aus dem Rohmaterial Holz hochwertige Produkte zu produzieren, ist die Forst- und Holzbranche heute mehr denn je gefordert. Wachsen doch die Anforderungen des Kunden an die Endprodukte. Die vernetzte Fertigung im Sinne von Industrie 4.0 wird daher die holzbearbeitende Industrie in Zukunft maßgeblich prägen. Grund genug für unsere Redaktion, sich mit der Roadshow SUMMER of ENGINEERING auf die Spuren der Branche zu begeben. Das Expo-Holzdach, das als Wahrzeichen der Expo 2000 errichtet wurde, ist das größte zusammenhängende seiner Art. Es ragt beeindruckend über den gleichnamigen Park des Messegeländes in Hannover – dort, wo im Turnus von zwei Jahren über 1 500 Aussteller ihre zukunftsweisenden Lösungen und Technologien sowie innovative Fertigungsanlagen präsentieren, wo rund 93 000 Besucher sich über die neuesten Trends und Entwicklungen der Branche informieren, wo unter dem Motto „Making more out of wood“ das Thema Nachhaltigkeit groß geschrieben wird. Die Ligna – Weltleitmesse für die Holzbe- und -verarbeitung – genießt einen guten Ruf und ist längst als zukunftsweisende Plattform etabliert. Auf dem Programm stehen Ausstellungsbereiche wie Werkzeuge, Maschinen und Anlagen für die Einzel- und Serienfertigung, Maschinenkomponenten und Automatisierungstechnik, Holzwerkstoffherstellung, Energiegewinnung aus Holz, Sägewerkstechnik sowie Forsttechnik. Als wir mit unserem Team vor Ort sind, lassen sich der Duft von frischem Holz und die Geräuschkulisse der be- und verarbeitenden Maschinen nur erahnen. Stattdessen regnet es in Hannover, was unsere Neugier und Vorfreude jedoch nicht trübt. Wir sind verabredet mit Christian Pfeiffer, Leiter der Ligna, von der Deutschen Messe. Während wir noch eben unser Equipment für unsere Reportage prüfen, sind wir auch schon im fünften Stock des Messeturms angekommen – dem Stockwerk des LignaTeams, wo wir freundlich empfangen werden. DIE GRÖSSTE IHRER ART Keine andere Messe der Branche ist weltweit so groß wie sie. Auf einer Netto fläche von über 120 000 m 2 veranstaltet die Deutsche Messe gemeinsam mit dem Fachverband Holzbearbeitungsmaschinen im VDMA e.V. die Ligna. Wir sind neugierig, was die Branche im kommenden Jahr erwartet. „Marktplätze sind Spiegel der Branche. Spiegel dessen, was sich neu entwickelt. Vor diesem Hintergrund ist jede Veranstaltung anders“, erklärt uns Pfeiffer. Und 2017 wird definitiv anders. Die Ligna präsentiert sich mit neuem Layout. Nach Abstimmung mit dem Verband und den Ausstellern steht die Betriebsgröße der Besucherzielgruppe nicht mehr so sehr im Vordergrund, sondern die rein technologische Orientierung. Neben der neuen Flächenstruktur gibt es aber noch weitere Premi- 32 SUMMER of ENGINEERING 2016

01 Leiter der Ligna, Christian Pfeiffer, im Gespräch mit Redakteurin Svenja Stenner DAS HIGHLIGHT DES JAHRES SUMMER of 2016 ENGINEERING eren. Die Themen Automatisierung und Oberflächen erfreuen sich zudem solch großen Interesses, dass sie erstmalig mit eigenen Ausstellungsbereichen (Oberflächentechnik, Maschinenkomponenten und Automatisierungstechnik) präsent sein werden. Dabei dürfen sich die Besucher auf namhafte Aussteller wie Beckhoff, Igus, SEW und Siemens freuen. Auf die Frage der Schwerpunkte für die kommende Ligna kann uns Pfeiffer sogar gleich zwei Highlights nennen. Die vernetzte Fertigung ist für alle Bereiche von Relevanz, zudem spielt 2017 auch die Verarbeitung von Kunst- und Verbundwerkstoffen eine wichtige Rolle. Während Pfeiffer uns in die zu erwarteten Highlights einweiht, frage ich mich zugleich, welche Aufgaben es für einen Messeveranstalter zu erfüllen gilt, um die Bedürfnisse der Besucher und Aussteller zu befriedigen. Ganz einfach: Es gibt genau zwei. Zum einen schafft es die Ligna, einen vollständigen Weltmarktplatz der Holzbe- und -verarbeitung zusammenzustellen und zum anderen dies dann in die Öffentlichkeit zu kommunizieren. Alle wichtigen Anbieter der relevanten Technologien wie Anlagen, Maschinen und Werkzeuge sind alle zwei Jahre zentriert auf der Ligna vertreten und präsentieren ihre Produkte, Neuheiten und Dienstleistungen, klärt man mich auf. Dabei richten die Firmen ihre Innovationszyklen nach der Ligna aus. TRADITIONELLES HANDWERK VEREINT MIT MODERNER TECHNOLOGIE Die Ausbildung zum Tischler gilt als solides Handwerk. Bei dem Gedanken an eine alte Schreinerei kommen mir sofort Assoziationen einer Werkbank, dem Duft von frischen Spänen und einer Holzplatte, die mithilfe eines Hobels bearbeitet wird, in den Sinn. Dass das Bild von „Meister Eder“ nur in meinem Kopf existiert, wird mir spätestens bei unserem Besuch in der Tischlerei Helmrichs in Isernhagen bewusst. Stattdessen stehe ich in einer modernen, gut ausgestatteten Produktionshalle. Der moderne Maschinenpark sowie die Montagefahrzeuge unterstützen die hohe handwerkliche Qualität des in zweiter Generation geführten Unternehmens. Rüdiger Helmrich klärt uns zusammen mit seinem Bruder Ralf, beide Mitgeschäftsführer, über das veränderte Berufsbild auf, als er uns stolz durch seine Produktionsstätte führt. Während sein Vater Robert in den 70erbzw. 80er-Jahren noch Großaufträge von mindestens 1000 m laufen- der Schrankwand produzierte, werden solche Aufträge heutzutage von der Industrie abgedeckt. Der Wandel von der Serienfertigung in Tischlereien ging, getrieben durch die Anforderungen des Endkunden, hin zur individuellen Fertigung – hin zu Losgröße 1. Auch das Erbringen von Dienstleistungen gewinnt an Bedeutung, denn der Kunde sieht immer weniger ausschließlich das Produkt, sondern zunehmend das Gesamtkonzept. Das Geräusch einer Absaugung unterbricht unsere Unterhaltung. Konfigurierbar, leistungsstark und präzise sind die Worte, die das neue Bearbeitungszentrum – Biesse Rover B – beschreiben. Die Arbeitseinheit mit fünf Achsen, mit 13 kW HSD-Elektrospindel und stufenloser Drehung um 360° auf den Vertikal- und Horizontalachsen ermöglicht laut Hersteller die Bearbeitung von Werkstücken von komplexen Formen. Das Electronic- Positioning-System (EPS) der CNC-Fräse macht deutlich, dass die digitale Revolution längst Einzug in die Welt der Möbelindustrie gehalten hat. Die große Maschine beeindruckt mich. Mir wird bewusst, dass der neue Prota gonist des klassischen Handwerks heutzutage eine Werkzeugmaschine ist, in der bis zu 91 Aggregate und Werkzeuge positioniert werden können. So ganz ohne den Menschen geht es dann aber doch nicht. Geschützt vom Maschinenlärm entwirft einer der 35 Helmrichs-Mitarbeiter im Nebenraum seine Konstruktion für den Arbeitsauftrag der Fräse am Bildschirm. Anschließend übermittelt er die Rohdaten des CAD-Programms online und legt das zu bearbeitende Werkstück auf. Auf meine Frage, wie es zu dem Kaufentscheid der Fräse kam, antwortet mir Helmrich: „Die Ligna war eine große Hilfestellung, denn dort treffe ich alle nennenswerten Anbieter. Ich habe die Möglichkeit, alle Objekte live vor Ort zu sehen, bevor wir als Tischlerei eine größere Investition tätigen.“ „INDUSTRIE 4.0 IST EINE ZIELBILDFORMULIERUNG“ Zurück im fünften Stock des Messeturms, draußen regnet es immer noch. SUMMER of ENGINNERING hatte ich mir irgendwie anders vorgestellt, aber das informative Interview mit Christian Pfeiffer und seiner Kollegin Stephanie Wagner, Project Manager Ligna, gleichen das schlechte Wetter wieder aus. Nachdem mir die beiden Helmrich-Brüder verrieten, dass sie ihre neue CNC-Fräse auf der Ligna erleben konnten, bin ich neugierig. Neugierig auf das, was ich SUMMER of ENGINEERING 2016 33